«Von der Initiative profitieren Wohnungssuchende und Gewerbe gleichermassen»

Am 28. September wird über die Pluralinitiative «Wohnungen in der Gewerbe- und Industriezone » der SVP Einsiedeln abgestimmt. SVP-Präsident Daniel Kälin nimmt Stellung zur Initiative: «In Einsiedeln soll ein moderates Wachstum möglich sein.»
Was steht am 28. September auf dem Spiel?
Man würde sich bei einem Nein zur Initiative die Möglichkeit vergeben, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Der Bedarf an Wohnungen in Einsiedeln ist ausgewiesen, das Baureglement muss angepasst werden. Die Vorteile einer Flexibilisierung beim Bauen im Bezirk Einsiedeln liegen dank unserer Initiative auf der Hand: Ein haushälterischer Umgang mit dem Kulturland, eine bessere Ausnützung der überbauten Flächen sowie eine solide und langfristige Finanzierung von Gewerbe- und Industriebauten.
Was ist Sinn und Zweck der SVP-Pluralinitiative?
Die Initiative sieht vor, in der Gewerbe- und Industriezone im Bezirk Einsiedeln nicht nur betriebsnotwendige Wohnungen, sondern neu auch Geschossflächen für uneingeschränkten Wohnnutzen zuzulassen. Durch die Anpassung des Artikels 50 der kommunalen Bauzonenordnung könnten auf den Gewerbeund Industriebauten zusätzlich Attikabauten oder ganze Wohngeschosse errichtet werden. Das erhöht die Kreditwürdigkeit der Bauherren bei den Banken und schafft den dringend benötigten, zusätzlichen Wohnraum. Von der Erhöhung der Ausnützungsziffer profitieren die bestehenden und neue Gewerbe- und Industrieunternehmen wie auch Wohnungssuchende im Bezirk Einsiedeln. Was würde bei einer Annahme der Initiative konkret geschehen?
Der Bezirksrat Einsiedeln würden den Auftrag erhalten, bei der nächsten Zonenplanrevision Mischzonen für gewerbliches und industrielles Arbeiten und Wohnen vorzusehen und das kommunale Baureglement dahingehend anzupassen, dass in Gewerbe- und Industriezonen auch nichtbetriebsnotwendige Wohnnutzungen zugelassen werden. Wird dank dieser Initiative die Zuwanderung nach Einsiedeln, die Migration ins Klosterdorf, verstärkt? Nein, das halte ich für ausgeschlossen. Die vom Bezirk Einsiedeln errechnete theoretische Zahl von 1500 neuen Einwohnerinnen und Einwohnern wird mit unserer Initiative sicherlich nicht erreicht werden. Wir setzen uns nach wie vor für ein moderates Bevölkerungswachstum im Klosterdorf ein.
Sind Einsprachen zu erwarten, wenn sich Bewohnerinnen und Bewohner der Gewerbe- und Industriezone an Lärm-, Staubemissionen und dergleichen stören könnten? Ich erwarte keine Einsprachen von Mieterinnen und Mietern, weil diese ja wissen, was sie erwartet, wenn sie in eine Gewerbe- und Industriezone ziehen. Dementsprechend akzeptieren sie auch allfällige Emissionen. Ich erinnere an die Situation beim Einsiedlerhof: Dort haben die Einziehenden zu unterschreiben, dass sie keine Lärmklage anstreben werden. Könnte es zu betrieblichen Einschränkungen kommen infolge sicherheitstechnischer Aspekte – gerade wenn man an spielende Kinder in Industriezonen denkt? Ich denke nicht, dass Familien das typische Klientel für diese Wohnungen in der Gewerbe- und Industriezone wären. Es ist eher davon auszugehen, dass Alleinstehende und kinderlose Paare bereit sind, in Quartiere zu ziehen, wo Arbeiten und Wohnen Hand in Hand geht. Wird das Gewerbe steigende Bodenpreise in den Gewerbezonen in Kauf nehmen, die aufgrund Ihrer Initiative drohen könnten?
Ich würde diese Frage mit Jein beantworten. Dass sich die Bodenpreise in der vergangenen Zeit verdoppelt haben, hat mit der grossen Nachfrage zu tun: Hier liegt das eigentliche Problem begraben. Kommt hinzu, dass Gewerbe- und Industriebetriebe dank den Mietzinseinkünften auch wieder finanziell profitieren würden.
Mangelt es in Einsiedeln nicht bereits an Raum für das Gewerbe und die Industrie? In der Tat fehlt es im Bezirk Einsiedeln an ausreichenden Räumlichkeiten für das Gewerbe und die Industrie. Allerdings ist kaum anzunehmen, dass durch Wohnungen im oberen Geschoss von Gebäuden dem Gewerbe Platz weggenommen würde. Es ist ja nicht so, dass wegen unserer Initiative ganze Wohnhäuser entstehen, wo vorher das Gewerbe und die Industrie untergebracht waren.
Die Aufbauten wären wohl teuer und eher für ein gehobenes Mietersegment gedacht. Ist es realistisch, dass mittelständische Arbeiterfamilien dort einziehen würden? Ich glaube wie gesagt nicht, dass diese Aufbauten für kinderreiche Familien ideal wären. Inwiefern diese Wohnungen eher für ein gehobenes Mietersegment in Frage kommen, muss schliesslich der Markt entscheiden. Man muss die Situation von Fall zu Fall objektbezogen anschauen. Mit dieser Initiative würde die Zonenordnung weiter aufgeweicht. Würden damit raumplanerische Grundsätze sträflich verletzt werden? Die Kantone setzen das revidierte Raumplanungsgesetz (RPG) um – in enger Zusammenarbeit mit ihren Regionen und Gemeinden. Das Raumplanungsgesetz sorgt für einen haushälterischen Umgang mit dem Boden – just die SVP-Initiative sorgt dank einer besseren Ausnützung der überbauten Flächen für einen haushälterischen Umgang mit dem Kulturland. In der Tat ist das Korsett beim RPG eng: Sicherlich müsste der Bezirk Einsiedeln bei der Umsetzung der Pluralinitiative einige rechtliche Fragen klären. Welche Chancen räumen Sie Ihrer Initiative ein, beim Einsiedler Stimmvolk auf Zustimmung zu stossen? Ich bin zuversichtlich, dass unsere Initiative reelle Chancen hat, am 28. September angenommen zu werden. Wäre an der letzten Bezirksgemeindeversammlung über die Pluralinitiative abgestimmt worden, wäre sie von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen worden: Die Voten an der Versammlung waren mehrheitlich für die Initiative.
Quelle: Einsiedler Anzeiger vom 16.09.2025