Trau keiner Studie, die Du nicht…
In der politischen Praxis werden Haltungen gerne mit wissenschaftlichen Arbeiten untermauert oder stützen sich darauf ab. Um den Anschein von Neutralität zu wahren, werden Aufträge extern vergeben. Beispielsweise an Fachhochschulen, für die solche Mandate ein lukratives Geschäft darstellen.
Der wichtigste Hebel wird zu Beginn angesetzt, bevor Erhebungen anlaufen: Die Wahl des Auftragnehmers und die Formulierung der Fragestellung prägen das Resultat meist im Voraus. Dazu kommen passende Prämissen. Wenn etwa bei einer Untersuchung irgendwelche Fallbeispiele von ähnlichen Orten herangezogen werden, um die Auswirkungen auf den lokalen Wohnungsmarkt zu beurteilen, anstatt die konkrete lokale Leerstandsquote zu erheben, wird am eigentlichen Anliegen vorbeigerechnet.
Die Qual der Wahl
Auch bei der Wahl der Quellen lässt sich feintunen: Man befragt bevorzugt Personen, die dem gewünschten Resultat dienen, während Gegenstimmen passend gewichtet oder gar nicht erst gehört werden. So stützen sich qualitative Aussagen oft auf Interviews mit gezielt ausgewählten Personen statt auf objektive Kennzahlen. Ein beliebter Kniff ist zudem das Weglassen von Fakten, das Vergleichen von Äpfeln mit Birnen oder Stichproben, die nicht repräsentativ sind .
Beliebt ist das Aufbereiten von Daten durch Kombinationen, um mit Nischenergebnissen Allgemeingültigkeit zu belegen. Oder schlichter Zahlenzauber: Sinkt das Risiko für ein Ereignis durch eine Massnahme von zwei auf einen Fall pro 10.000, lässt sich das als «50-prozentige Senkung» vermarkten.
Design der Aussagen
Die Rohdaten der Erhebungen werden meist nicht komplett offengelegt, ebenso wenig wie die angewandten Gewichtungsmodelle. Dem Leser werden fertige Fazite präsentiert, ohne dass der methodische Spielraum offenliegt. So wird beispielsweise bei Kostenrechnungen eine Nutzungsdauer von wenigen Jahren angewendet, obwohl reale Vergleichsobjekte viel länger stehen würden. Durch diesen Hebel verschieben sich kalkulatorischen Jahreskosten massiv, ohne dass der Leser die Sensitivität dieser Annahme auf den ersten Blick erkennt.
Die entscheidende Manipulationsmöglichkeit eröffnet sich schliesslich bei der Zusammenfassung. Während zahlreiche Einschränkungen, methodische Lücken und Vorbehalte aufgelistet sind, formuliert das Fazit hingegen unerschütterliche Thesen und foutiert sich um eine Gewichtung der einzelnen Komponenten.
Fazit
Auftragsstudien folgen einem klaren Muster: Verbände, Parteien oder Behörden geben Untersuchungen in Auftrag, deren Annahmen und Zielgrössen meist so angepasst sind, dass das gewünschte Ergebnis quasi garantiert ist. Die Resultate werden anschliessend über Pressemitteilungen ungeprüft in die Medien getragen.
Wer Studien liest, sollte sich stets drei Fragen stellen: Wer hat die Arbeit bezahlt, wie lautete die exakte Fragestellung, und was steht in den Tabellen, die es nicht in die Zusammenfassung geschafft haben?